LTE als DSL-Ersatz: Die ultimative Alternative auf dem Land?

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Vor allem in ländlichen Gegenden ist auch im Jahr 2014 längst nicht überall schnelles Internet flächendeckend verfügbar. Oftmals erreichen DSL-Anschlüsse über die Telekom nur ein bis zwei MBit oder sind gar nicht verfügbar. Kabelanbieter sind in diesen Gegenden meist auch nicht vertreten. Was also bleibt dem Landei noch, um sich mit vernünftiger Geschwindigkeit durch das Netz zu bewegen?

Mit dieser Frage habe auch ich mich lange auseinandergesetzt, habe ich doch einen viele Jahre andauernden Leidensweg hinter mir. Ich wohne auf dem Land, in einem kleinen Dorf mit gerade einmal 30 Häusern. Die Deutsche Telekom bietet Stand heute einen klassischen DSL-Anschluss mit bis zu 2 MBit/s an. Fakt ist jedoch, dass davon nur 1 MBit ankommt. Über die nur marginale Uploadgeschwindigkeit von 14 Kilobyte pro Sekunde brauchen wir eigentlich kein Wort zu verlieren. Mit dieser Geschwindigkeit pflügte ich nun fast zehn Jahre durch das World Wide Web, das Betreiben mehrerer Websites war so alles andere als einfach oder komfortabel, jedoch irgendwie machbar.

Im Spätsommer 2013 sollte sich alles ändern. Ein regionaler Anbieter, die Firma Ecore aus Nürnberg, baute das Netz in unserer Gemeinde über die eigene Tochtergesellschaft VOXACOM aus und konnte seitdem an meinem Anschluss für mich sagenhafte 4 MBit Downstream und 0,5 MBit Upstream anbieten. Ich war im Himmel! Bis vor einigen Wochen. Ende Mai flog ein Brief ins Haus, die Ecore GmbH sei insolvent und das Netz würde nicht weiterbetrieben, trotz Übernahme durch eine andere Firma (Bisping & Bisping). Die traurige Diagnose: Zurück in die Steinzeit mit einem Megabit der Telekom.

LTE als DSL-Ersatz

LTE-AntenneDamit wollte ich mich nicht abfinden. Eine Alternative musste her. Kabel? Nicht verfügbar. Satellit? Zu teuer, zu starke Schwankungen der Geschwindigkeit und eine rasche Drosselung. Was blieb also noch übrig? LTE! Trotz der Tatsache, dass ich zuhause kaum Mobilfunkempfang mit dem Smartphone habe, sollten laut Telekom bis zu 16 MBit möglich sein. Unser Haus ist schon etwas älter, dementsprechend massiv gebaut. Ein LTE-Empfang im Inneren ist unmöglich.

Die Lösung: Eine LTE-Außenantenne an der Hauswand, gerichtet auf den nächsten LTE-Masten soll das Unmögliche möglich machen. Doch bevor ich das Abenteuer auf mich nehmen wollte, musste ein Test zeigen, ob LTE tatsächlich verfügbar ist. Wie gesagt, auf dem Boden habe ich kaum Netz, doch als ich mit meinem Handy auf das Dach stieg und es in die Höhe hielt, zeigte es plötzlich LTE-Empfang an. Ich wollte es erst gar nicht glauben. Der Geschwindigkeitscheck über die Speedtest-App förderte ein Ergebnis von stolzen 10 MBit Downstream und knapp 4 MBit Upstream zu Tage. Ich war völlig hin und weg!

Am nächsten Tag wurde direkt „Call & Surf via Funk L“ bei der Telekom gebucht. Zumal laut Auskunft eines wirklich freundlichen Mitarbeiters der Telekom-Hotline ein weiterer Mast schon im August 2014 in Betrieb genommen werden soll, der näher gelegen ist und so noch bessere Geschwindigkeiten liefern sollte. Perfekt!

Nachteil: LTE ist als DSL-Alternative leider noch immer sehr teuer. Da ich das große Paket mit seinen (noch immer lächerlichen) 30 GB Volumen benötige, werden stolze 50 Euro im Monat fällig. Dazu gesellen sich die Außenantenne samt Halterung, der spezielle LTE-Router und das Antennenkabel. Die Hardware allein kostet so gut und gerne 400 Euro.

Meine Ausrüstung im Detail:

  • FRITZ!Box 6840 LTE (Amazon.de, 255 Euro)
  • novero dabendorf LTE-800 MIMO Außenantenne (Amazon.de, 66 Euro)
  • Hama SAT-Halter (Amazon.de, 12 Euro)
  • Hama Schraubenset mit Dübel (Amazon.de, 6 Euro)
  • novero Dabendorf Twin-Kabel (Amazon.de, 18 Euro)
  • Yagiwlan 2x 10 Meter LTE-Verlängerungskabel (Amazon.de, 35 Euro)

Ein glänzendes Beispiel dafür, wie die alternativlose Landbevölkerung gnadenlos abgezockt wird.
Doch das Ergebnis sollte sich sehen lassen!

Die Inbetriebnahme

Die Schaltung durch die Telekom erfolgte schließlich am 27. Juni 2014, knapp zwei Wochen nach Bestellung. Eine erste Messung ergab folgendes, für mich beeindruckendes, Ergebnis:

speedtest

Das hätte ich bei Leibe nicht erwartet. Der kurze Test mit dem Smartphone wirkte schon fast surreal, doch diese Werte nochmals zu verdoppeln, respektive mehr als zu verdreifachen; ich konnte es kaum glauben. Dabei darf man nicht vergessen, dass LTE ein Shared Medium ist und die Bandbreite schwankt, je nachdem wie viele andere User im Netz aktiv sind. Weitere Messungen ergaben teilweise bis zu 30 MBit Downstream, im Mittel jedoch 20 – 25 MBit. Der Upload pendelte sich bei 9 – 11 MBit ein. Für mich absolut fantastische Werte!

Ist LTE also die Offenbarung?

Ein ganz klares „jein“. LTE ist eine sehr gute Alternative für die Bevölkerung auf dem Land, wenn keine ausreichend schnelle Erdleitung verfügbar ist und man ein durchschnittliches Surfverhalten an den Tag legt. Die ultimative Lösung ist LTE sicher nicht. Hauptproblem ist und bleibt die Volumenbegrenzung. Ich als Betreiber mehrerer Websites und passionierter PC-Zocker bin mit großen Datenmengen konfrontiert. Da reichen die 30 GB im Monat bei weitem nicht aus. Klar, man kann Volumen via SpeedOn-Buchung nachkaufen, aber bei 15 Euro für 10 GB wird man schnell arm wie eine Kirchenmaus.

Update, 27.08.2014 – Seit Mitte August erhalten LTE-Nutzer beim Nachbuchen von Traffic nicht nur 10 GB gutgeschrieben, sondern ein komplettes Monats-Volumen, in meinem Fall also 30 GB. Eine Reaktion der Telekom auf die anhaltende Kritik an der Drosselpraxis. Immerhin, ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. /Update

Aus diesem Grund zahle ich zusätzlich noch die langsame DSL-Leitung der Telekom mit ihren 1 MBit Downstream, um darüber das große Datenvolumen von Spieledownloads, Patches, Updates, etc. abzuwickeln. Das sind weitere 25 Euro im Monat.

Doch was habe ich für eine Wahl? Einzig und alleine ein Umzug würde das Problem lösen. Doch die Heimat und das eigene Zuhause für das Internet aufgeben? Niemals! Dann lieber der Biss in den sauren Apfel und vielleicht für andere Dinge weniger Geld ausgeben.

Eine Hoffnung habe ich noch. Mit der Zeit könnten die LTE-Tarife günstiger werden oder größere Volumen beinhalten. Liebe Telekom, denkt doch bitte mal über einen LTE-Tarif mit 10 MBit und 100 GB Volumen nach, statt bis zu 50 MBit und 30 GB. Denn was habe ich von der superschnellen Leitung, wenn in ein paar Stunden das komplette Monatskontingent aufgebraucht ist? Richtig, nichts!