Deutsches Fernsehen = Volksverdummung?

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Die deutsche TV-Landschaft wird immer primitiver, dümmer und langweiliger. Seit Jahren nimmt die Qualität der von den deutschen TV-Anstalten produzierten Formate stetig ab. Oder kommt es nur mir so vor?

Das Nachmittagsprogramm

Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die nachmittags so gut wie nie TV sehen. Zum einen, weil ich berufstätig und damit unter der Woche tagsüber nicht zu Hause bin, zum anderen weil ich weiß, was mich dann erwartet. Doku-Soaps, die sich gegenseitig dank ihrer Laiendarsteller und schlechter Skripte an Stupidität überbieten, die x-te Wiederholung diverser Talk- und Richter-Shows, US-Comedy-Staffelmarathons oder Dauerwerbesendungen für Küchenhelfer und ach so realistisch aussehende Puppen. Wer da geistig nicht abschaltet, dem ist nicht mehr zu helfen.

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Mitten im Leben ist mit für den Tiefpunkt des deutschen Fernsehens verantwortlich / © RTL

Klar, tagsüber sind die Einschaltquoten wesentlich niedriger als zur Prime Time, schließlich ist der Großteil so wie ich auf der Arbeit. Daher auch der mehr als ungünstig gewählte Name „Hartz IV TV“, der fatalerweise suggeriert, dass alle Zuschauer, die nachmittags einschalten Arbeitslose und Asoziale seien. Ein völlig verzerrt dargestelltes Bild der Gesellschaft, dass sich leider – einmal in die Gedanken eingebrannt – nicht mehr so leicht aus den Köpfen entfernen lässt. Zumindest nicht, bis die TV-Sender – vor allem die Privaten – das Programm am Nachmittag radikal ändern. Doch das wird vermutlich nicht geschehen, im Gegenteil…

Das Abendprogramm

Denkt man, das Programm wird am Abend besser, irrt man sich. Entweder man erfährt, dass Justin Bieber wieder einmal einen Affen überfahren und einen Paparazzo als Haustier hält (oder anders herum?) oder man schaut die 4823. Wiederholung der 14. Staffel der Simpsons oder die nur 26. Wiederholung eines Abenteuer Leben Berichtes. Zwischendurch mal kurz Nachrichten einstreuen, aber bloß nicht mit einem zu hohen Informationsgehalt oder ernsthaften Themen, schließlich könnte ein beträchtlicher Teil der Zuschauer aufgrund der geistigen Überforderung umschalten. Aber gut, bleibt mir noch die Hoffnung auf die Prime Time…

Die Prime Time

Das ist sie, die Königsdisziplin jedes Programmchefs. Nichts ist so wichtig, gerade im Hinblick auf die werberelevante Zielgruppe, wie die Prime Time und damit das Programm ab 20:15 Uhr. Nachdem man den Nachmittag und Abend also schon mal getrost ignorieren konnte, müsste doch spätestens jetzt für jeden etwas dabei sein. Und tatsächlich, zumindest zum Teil kann die Prime Time noch ihren Ansprüchen gerecht werden. Dieser Anspruch wird jedoch fast ausschließlich von TV-Formaten aus den USA, vorzugsweise Serien, erfüllt. Nach wie vor locken vor allem Crime-Serien wie CSI Miami, CSI New York, CSI Moskau, CSI Castrop-Rauxel oder CSI Oberammergau die Zuschauer vor die Flimmerkiste. Ohne die starke Hilfe aus den Vereinigten Staaten sähe es hier aber ähnlich mau aus wie am Nachmittag.

CSI-Ted-Danson

CSI ist trotz diverser Ableger noch immer sehr erfolgreich. / © CBS

Das Wochenende

Jetzt aber! Am Wochenende sind die meisten potentiellen Zuschauer zu Hause. Also fix das Ass aus dem Ärmel gezaubert: Hollywood-Blockbuster. Zumindest zur Prime Time, denn tagsüber unterscheidet sich das Programm kaum von dem an den Werktagen gesendeten Murks. Doch wenn der vermeintliche Blockbuster dann nur mit bekannten Schauspielern lockt, deren Leistung dann aber kaum der Rede wert ist oder die erneut x-te Wiederholung von Star Wars läuft und die Spielfilme dann auch noch alle 20 Minuten von einem 15 minütigen Werbeblock unterbrochen werden, möchte man eigentlich nur noch die Glotze aus dem Fenster werfen.

Die Showlandschaft

Auch ein Markus Lanz hat mit Zuschauerschwund zu kämpfen / © ZDF, Stefan Menne

Auch Markus Lanz verliert Zuschauer. / © ZDF, Stefan Menne

Ganz übel sieht es auch bei den Showevents aus. Pool Champions – Promis unter Wasser, Deutschland sucht den Superstar Staffel 83, Das große Promi Grillen oder zuletzt auch die Grande Dame der Unterhaltung Wetten dass..?, die Liste der enttäuschenden Shows lässt sich beliebig fortführen.

Es fehlt an Kreativität, an interessanten Gästen, fähigen Moderatoren und vielleicht ja auch am Anspruch, den der Zuschauer an die Sender stellt. Aktueller Trend: Das Aufwärmen alter Shows. So belebt RTL das Familienduell wieder (mit Daniel Hartwich statt Werner Schulze-Erdel), Sat.1 versucht sich an Big Brother in der Celebrity Version (also mit Z-Promis) und dem Dreamteam Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn als Moderatoren-Duo. Es ist zum Heulen!

Alternative Pay-TV

Sky gewinnt Anteile. / © Sky

Sky gewinnt Anteile. / © Sky

Kein Wunder, dass Sky momentan ein Allzeithoch erfährt. Zeigt der Pay-TV-Riese doch die neusten Kracher aus Hollywood zeitgleich mit dem DVD- und Bluray-Start, Serien wie das extrem beliebte The Walking Dead oder Game of Thrones in der deutschen Erstausstrahlung, faszinierende Dokumentationen und nicht zuletzt mit der Bundesliga auch noch den beliebtesten Sport der Deutschen. Das alles ohne Werbung und in HD.

Es reicht!

Ganz ehrlich? Ich kann den Mist im TV nicht mehr ertragen. Immer die gleichen Filme, die gleichen lahmen und ausgelutschten Konzepte, die gleichen Z-Promis. Mein Kopf tut schon weh, wenn ich nur dran denke. Zum Glück kommt nun doch langsam der Sommer. Je mehr Zeit man draußen verbringt, desto weniger häufig läuft der Fernseher. Mein Gehirn braucht dringend Zeit zur Regeneration. Ich bin raus!