Problem: Software-Piraterie

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Seit Jahren ein großes Problem: Illegale Spieledownloads aus dem Internet. Entwickler und Publisher jammern über entgangene Umsätze in Milliardenhöhe, doch sind die Probleme teils auch hausgemacht. Ohne Zweifel, das Thema ist sehr vielschichtig und es gibt viele Ursachen und Lösungsansätze für das Sorgenkind Software-Piraterie, sodass es unmöglich ist, diese alle in einem Blog abzubilden und zu analysieren. Daher möchte ich euch die aus meiner Sicht entscheidenden Punkte skizzieren und mögliche Lösungsansätze aufzeigen. Ich weiß, ein schier hoffnungsloses Unterfangen, doch ich versuche es trotzdem!

Der Preis

Bleiben teuer: Spiele für XONE / Foto: Microsoft

Bleiben teuer: Spiele für XONE / Foto: Microsoft

Geiz ist geil! Sonderpreise, Rabatte und Gutscheine; der Deutsche versucht zu sparen wo es nur geht. Klar, dass Spiele, die mit 50 – 60 Euro zu Buche schlagen, ein tiefes Loch in die oftmals schmale Brieftasche reißen. Besonders als Schüler oder Student, der Hauptzielgruppe. Kein Wunder also, dass der vernetzte Spieler gerne mal dazu neigt, die kostengünstige Flatrate zu bemühen und ein Spiel im Handumdrehen zum Nulltarif herunterlädt. Geht schnell, kostet nichts und das Risiko erwischt zu werden ist gering.

Dass es auch anderes gehen kann, zeigen besonders eindrucksvoll die regelmäßigen Sales bei Steam. Spiele, die regulär 50 Euro kosten, werden für 48 Stunden um 50% reduziert und gehen weg wie warme Semmeln. Teilweise werden Titel binnen der 48 Stunden öfter verkauft als im gesamten Zeitraum zuvor. Meiner Meinung nach ein klares Zeichen, dass die Preise einfach zu hoch sind. Leider werden die Konsolenanbieter Microsoft und Sony an ihrer Preisstrategie festhalten, bestätigen die beiden Softwareriesen kürzlich die gleichbleibenden Preise für die Next-Gen-Konsolen XBOX ONE und PlayStation 4.

Lösungsansatz: Preise runter –> weniger illegale Downloads –> mehr Absatz und Umsatz

Freunde und Eltern

Das soziale Umfeld spielt auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Spielt der Freundeskreis ein neues Spiel, muss man natürlich mitreden können. Schnell avanciert man zum Außenseiter, ist man nicht im Besitz des Prestigeobjekts in der Plastikhülle. Und wenn dann auch die Eltern nicht aushelfen können oder wollen, hat man ein Problem, dessen Lösung den verweifelten Spieler wieder zur illegalen Filesharing-Community greifen lässt.

Eine Lösung hierfür zu finden ist nicht einfach. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Spiele wichtiger als die Familie sind, sie rücken soziale Kontakte in weite Ferne oder lassen diese nur noch digital geschehen. Als Ergänzung spricht absolut gar nichts gegen Letzteres, doch sollte man die Realität nicht aus den Augen verlieren. Auf der anderen Seite ist es auch für die Eltern bequemer ihr Kind vor der Konsole oder dem PC zu parken, anstatt sich aktiv mit ihren Sprößlingen auseinanderzusetzen. Hier ist also ein merkliches Umdenken gefordert. Schwierig!

Lösungsansatz: Weniger digital, mehr sozial. Und damit meine ich nicht Facebook!

Kaum Demoversionen

Fast jedes Videospiel wird mit Pauken und Trompeten beworben. Trailer hier, Anzeige dort. Doch was wurde aus den vor einigen Jahren noch üblichen Demoversionen, die es dem neugierigen Käufer ermöglichten, den Titel kurz selbst anzuspielen und sich einen eigenen Eindruck von der Qualität zu verschaffen? Die sucht man fast vergebens, dabei werden die Internetleitungen immer schneller, weshalb der Datentransfer eigentlich kein Hindernis darstellen dürfte. Gerne schieben die Entwickler den Verzicht auf eine Demo mit dem damit verbundenen Zeitaufwand und zusätzlichen Kosten, die man lieber in die Fertigstellung und Bugbeseitigung des Hauptspiels investieren möchte.

Tolle Demo: Mafia II hat's vorgemacht / Foto: 2K Czech

Tolle Demo: Mafia II hat’s vorgemacht / Foto: 2K Czech

Dass es auch anders geht, zeigen Entwickler wie 2K Czech, die ihrem Open-World-Titel Mafia II eine große Demo spendierten. Zwar zeitlich begrenzt, aber beliebig oft spielbar. Genützt hat es leider nicht viel, wurden doch binnen der ersten 6 Monate nach Release mehr als 3,5 Millionen illegale Downloads verzeichnet. Doch wer weiß, wie hoch diese Zahl ohne Demoversion ausgefallen wäre.

Lösungsansatz: Mehr Demos veröffentlichen, die einen echten Anreiz liefern, den Titel zu kaufen.

DRM-Maßnahmen

Eines der größten Eigentore ist jedoch die Haltung der Publisher zu den DRM-Maßnahmen. Während Spieler und Fachjournalisten schon seit geraumer Zeit Lockerungen fordern, werden die Maßnahmen sogar noch verschärft. Für alle, die mit der Abkürzung DRM nichts anfangen können:

Digitale Rechteverwaltung (gelegentlich auch Digitale Beschränkungsverwaltung oder Digitales Rechtemanagement bzw. engl. Digital Rights Management oder kurz DRM) bezeichnet Verfahren, mit denen die Nutzung (und Verbreitung) digitaler Medien kontrolliert werden soll. Vor allem bei digital vorliegenden Film- und Tonaufnahmen, aber auch bei Software, elektronischen Dokumenten oder elektronischen Büchern findet die digitale Nutzungsverwaltung Verwendung. Sie ermöglicht aus Sicht von Anbietern, die solche DRM-Systeme zur Nutzungskontrolle ihrer Daten einsetzen, prinzipiell neue Abrechnungsmöglichkeiten, um beispielsweise mittels Lizenzen und Berechtigungen sich Nutzungsrechte an Daten, anstatt die Daten selbst, vergüten zu lassen; andersherum wird dies aus Sicht von Endnutzern oft als Beschränkung gesehen. – Wikipedia

SimCity: Onlinezwang auch im Singleplayer / Foto: MAXIS

SimCity: Onlinezwang auch im Singleplayer / Foto: MAXIS

Zuletzt sorgten absurd übertriebene Maßnahmen wie der dauerhafte Onlinezwang in reinen Singleplayerspielen oder Installationsbeschränkungen auf einige wenige Rechner für Aufreger in der Zockergemeinschaft. Mittlerweile gewohnt ist man die Anmeldung bei diversen Onlinediensten wie Steam, Origin, UPlay und Konsorten zur Überprüfung auf eine gültige Spiellizenz. Hier zeigt sich ein großer Vorteil der Software-Piraterie: Die illegalen Spieledownloads werden ohne die nervigen Schutzmaßnahmen zur Verfügung gestellt, was die Downloads natürlich nicht rechtfertigen soll und kein bisschen legaler macht. Dennoch werden nicht wenige Downloads getätigt, um sich den Zwangsbestimmungen der Publisher zu widersetzen.

Lösungsansatz: DRM-Maßnahmen lockern und auf Anmeldungszwänge weitestgehend verzichten.

Lieblose PC-Umsetzungen

Der PC ist tot. Zumindest behaupten das seit vielen Jahren diverse, teilweise selbsternannte, Brancheninsider. Glücklicherweise ist der PC-Spielemarkt noch lange nicht tot, dennoch müssen die Spieler oftmals mit lieblosen Spiele-Umsetzungen leben. Das große Geschäft machen die Publisher längst mit den Konsolen. Kaum verwunderlich also, dass Xbox und PlayStation zu den Leadplattformen werden. Damit verbunden ist oftmals ein nur kleines Budget, welches für die Portierung des Titels auf den PC übrig bleibt. Dass die Qualität darunter leidet – sei es die grafische Qualität oder die präzise Steuerung mit Maus und Tastatur, um nur zwei der häufigsten Portierungsprobleme zu nennen –  ist irgendwo logisch und vorhersehbar. Ein vorheriges Anspielen ist mangels Demoversionen auch kaum noch möglich, somit führt wiederum ein bequemer Klick zum Filesharer des Vertrauens.

Lösungsansatz: Macht den PC wieder attraktiv! Er ist eine tolle Plattform und längst nicht tot.

DLCs

Mafia II lieferte einige für das Hauptspiel versprochene Features in Form von DLCs nach. Abzocke? / Foto: 2K Czech

Mafia II lieferte einige für das Hauptspiel versprochene Features in Form von DLCs nach. Abzocke? / Foto: 2K Czech

Ein fürchterlicher Trend der letzten Jahre: DLCs – Zusatzinhalte zum Herunterladen, die ihren Namen meist nicht gerecht werden. Oftmals hat man dabei den Eindruck, die Inhalte wären schon für das ursprüngliche Spiel gedacht gewesen, wären aber vor dem Release wieder entfernt worden, um im nachhinein zusätzliches Geld – und das nicht zu knapp – zu verdienen. Und wer gibt schon gerne viel Geld für ein Spiel aus, das einen unfertigen oder gar zerstückelten Eindruck hinterlässt? Leider noch zu viele, sonst würde der Trend nicht immer stärker zunehmen. Kaum ein Spiel erhält weniger als fünf DLCs, gerne auch schon mal deutlich mehr. Was dann als Zusatzinhalt verkauft wird ist mitunter ein Witz. Eine neue Lackierung für deinen Rennwagen gefällig? Macht 1,99 Euro. Ich sehne mich zurück zum Ende des letzten Jahrtausends, als es noch Addons mit unzähligen Stunden feinster Unterhaltung für knappe 20 Euro gab.

Weckruf

5 vor 12 - Zeit zum Aufwachen! / kaemte, pixelio.de

5 vor 12 – Höchste Zeit zum Aufwachen! / kaemte, pixelio.de

Wir Spieler sind enttäuscht. Enttäuscht von den Publishern und Entwicklern. Letzten Endes entscheiden doch wir über Erfolg oder Misserfolg eines Spiels. Dabei werden uns viele unnötige Steine in den Weg geworfen. Steine, die so groß und schwer sind, dass es schwierig wird, diese kurzfristig aus dem Wege zu räumen. Doch es bringt nichts, den schwarzen Peter auf uns zu schieben. Liebe Publisher, klopft euch selbst ein wenig auf die Finger und denkt über ein paar Entscheidungen der letzten Jahre nach. Natürlich sind die illegalen Downloads ein massives, nicht zu unterschätzendes Problem und auch die Spieler müssen hier ein Umdenken zeigen, doch ohne ein Einlenken seitens der großen Unternehmen, wird das wohl nicht passieren (können).

An die Publisher: Spiele sollten in erster Linie Spaß machen, nicht den Spieler beschneiden, behindern und frustrieren. Setzt mehr auf hochwertige Inhalte und überzeugt eure Käuferschaft.

An die Spieler: Gute Spiele müssen gekauft werden. Unterstützt die Entwickler und rettet eure Leidenschaft anstatt in die Straftätigkeit abzudriften. Software-Piraterie ist einfach, aber verboten. Aber das ist Telefonieren am Steuer auch…

Beitragsfoto: Thorben Wengert / http://www.fotodesign-wengert.de/